Das Delta-Schlaf-induzierende Peptid (DSIP), auch bekannt als Emideltide, scheint eher mehrere neuronale und neuroendokrine Systeme zu beeinflussen, als über einen einzigen bestätigten Rezeptor zu wirken. Sein genauer Wirkmechanismus bleibt jedoch unklar, und die meisten Daten zu seinen biologischen Signalwegen stammen aus Tier-, Gewebe- oder Zellstudien.
DSIP ist ein aus neun Aminosäuren bestehendes Peptid, das erstmals bei Experimenten mit venösem Gehirnblut von Kaninchen im Zusammenhang mit dem Schlaf identifiziert wurde. Sein Name legt nahe, dass es als spezifisches Schlafsignal wirkt. Spätere Studien brachten DSIP jedoch mit Stressreaktionen, der Ausschüttung von Hypophysenhormonen, der zirkadianen Aktivität, der GABA- und Glutamatsignalisierung, Monoaminen sowie Prozessen im Zusammenhang mit dem Opioidsystem in Verbindung. Diese Ergebnisse führten zu mehreren möglichen mechanistischen Erklärungen, von denen jedoch keine ein vollständiges und klinisch bestätigtes Bild der Wirkung von DSIP beim Menschen darstellt [1–4].
Die Unsicherheit geht über fehlende Details zum Mechanismus hinaus. Forscher haben keinen eindeutigen DSIP-Rezeptor mit hoher Affinität, kein konventionelles Vorläufergen, das eindeutig für die Produktion des freien Nonapeptids verantwortlich ist, und keinen konsistenten Zusammenhang zwischen einer bestimmten Blutkonzentration und einer konkreten Wirkung beim Menschen identifiziert. Messungen, die als „DSIP-ähnliche Immunreaktivität” bezeichnet werden, erfassen möglicherweise auch ein an größere Moleküle gebundenes Peptid oder strukturell ähnliches Material und nicht ausschließlich freies, intaktes DSIP. Aus diesem Grund ist es wichtig, zwischen der chemischen Identität, direkt gemessenen experimentellen Effekten, neuroendokrinen Beobachtungen beim Menschen und breiteren mechanistischen Hypothesen zu unterscheiden.
Wie funktioniert DSIP?
Die plausibelste Interpretation besagt, dass DSIP als kontextabhängiger Neuromodulator wirken kann. Ein Neuromodulator muss nicht einen einzigen Rezeptor aktivieren und eine einzige vorhersehbare Reaktion hervorrufen. Er kann stattdessen die Art und Weise modifizieren, wie neuronale Schaltkreise auf bestehende hemmende, erregende, hormonelle und zirkadiane Signale reagieren. Eine solche Erklärung entspricht eher der verfügbaren Literatur als die Beschreibung von DSIP als konventionelles Schlafmittel.
In experimentellen Studien wurde DSIP mit Veränderungen der neuronalen Aktivität, durch GABA aktivierter Ströme, der Glutamat- und NMDA-Signalübertragung, der Monoaminaktivität, der Ausschüttung von Hypophysenhormonen, der Expression stressassoziierter Gene und der zirkadianen Lokomotivaktivität in Verbindung gebracht [3–9]. Die Richtung und Stärke dieser Effekte hängen oft von der Spezies, der Dosis, dem Verabreichungsweg, der Tageszeit, dem Ausgangsstressniveau sowie dem spezifischen Hirnareal oder dem untersuchten experimentellen Modell ab. Ältere Studien beschrieben zudem nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen oder umgekehrt glockenförmige Kurven. In diesen Experimenten rief eine mittlere Dosis manchmal eine Wirkung hervor, während niedrigere und höhere Dosen dies nicht taten [3,10].
Diese Beobachtungen weisen auf kein einzelnes molekulares Ziel hin. Es gibt keine anerkannten Beweise dafür, dass DSIP als direkter Agonist oder Antagonist eines spezifischen „DSIP-Rezeptors” wirkt. Behauptungen, dass DSIP ausschließlich über GABA, Serotonin, Dopamin, NMDA-Rezeptoren, die Senkung des Cortisols oder das Opioidsystem wirkt, gehen daher über die verfügbaren Daten hinaus. Jeder dieser Wege stellt eine experimentelle Beobachtung oder einen vorgeschlagenen intermediären Mechanismus dar und keine vollständige Erklärung der DSIP-Wirkung beim Menschen.
| Vorgeschlagenes Element | Art der Beweise | Was tatsächlich nachgewiesen wurde | Was ungewiss bleibt |
|---|---|---|---|
| GABAerge Signalübertragung | Experimente an Rattenneuronen | DSIP verstärkte GABA-aktivierte Ströme in Hippocampus- und Kleinhirnneuronen [6] | Beinhaltet dies eine direkte Interaktion mit dem Rezeptor und erklärt dies die Wirkung auf den Schlaf beim Menschen? |
| Glutaminerge/NMDA-Signalisierung | Neurone und Synaptosomen von Ratten | DSIP veränderte NMDA-assoziierte Antworten und die präsynaptische Kalziumaufnahme [6,7] | Relevante Konzentrationen beim Menschen, Rezeptorselektivität und klinische Bedeutung |
| Serotonin und Monoamine | Veterinärpharmakologie | DSIP modifizierte unter bestimmten experimentellen Bedingungen einige Reaktionen im Zusammenhang mit Serotonin, Dopamin und MAO [8,9] | Sind diese Veränderungen primär, sekundär oder artspezifisch? |
| HPA-Achsen-Regulation | Kleine Studien an Menschen und Tieren | Es wurden Zusammenhänge mit den ACTH-, Cortisol-, Corticosteron- und CRH-Antworten beobachtet [11–13] | Senkt DSIP bei gesunden oder gestressten Menschen konsequent den Cortisolspiegel? |
| Zirkadiane Regulation | Tierversuche | Die wiederholte Verabreichung von DSIP oder P-DSIP veränderte die lokomotorischen Rhythmen unter bestimmten Beleuchtungsbedingungen [10] | Fungiert DSIP beim Menschen als endogenes zirkadianes Signal? |
| Opioid-Signalling | Tierversuche und mechanistische Studien | Es wurden Wechselwirkungen mit opioidbezogenen Effekten sowie der Freisetzung von Peptiden berichtet [2,3] | Spezifischer Opioidrezeptormechanismus oder klinisch relevanter Suchtweg |
Aminosäuresequenz und molekulare Struktur von DSIP
DSIP ist ein Nonapeptid, was bedeutet, dass es aus neun Aminosäureresten besteht, die durch Peptidbindungen verknüpft sind. Die festgelegte Sequenz des freien Peptids lautet:
- H–Trp–Ala–Gly–Gly–Asp–Ala–Ser–Gly–Glu–OH
Der Einbuchstabencode der Sequenz ist:
- WAGGDASGE
Das N-Ende beginnt mit Tryptophan, während das C-Ende mit Glutaminsäure endet. Serin befindet sich an Position 7 und ist besonders wichtig im Fall von Phospho-DSIP, da seine Hydroxyl-Seitenkette phosphoryliert werden kann. Erste Sequenzuntersuchungen zeigten zudem, dass strukturelle Details die Aktivität beeinflussen können. Synthetisches DSIP steigerte die Delta- und Schlafspindelaktivität im EEG in einem Kaninchenmodell, während die getesteten Fragmente, Analoga mit modifizierter Sequenz und das Beta-Aspartyl-Isomer unter denselben experimentellen Bedingungen eine geringere Aktivität aufwiesen oder inaktiv blieben [1]. Dies zeigt die Struktur-Aktivitäts-Beziehung in einer ersten Tierstudie, bestätigt jedoch nicht die Existenz eines spezifischen menschlichen DSIP-Rezeptors.
Für das unmodifizierte freie DSIP gibt die PubChem-Datenbank die Summenformel C35H48N10O15, eine ungefähre molare Masse von 848,8 g/mol sowie die PubChem Compound ID 68816 an [14]. Die CAS-Nummer 62568-57-4 wird gemeinhin Emideltid oder freiem DSIP zugeordnet. Die CAS-Nummer, die Kennung in einer chemischen Datenbank oder ein internationaler Freiname identifizieren jedoch eine bestimmte chemische Substanz. Sie bestätigen weder eine behördliche Zulassung, klinische Wirksamkeit, Reinheit noch die Äquivalenz zwischen freiem DSIP und seiner Salzform.
Textbasiertes Strukturdiagramm
Die Struktur des Peptids DSIP kann dargestellt werden, ohne zu suggerieren, dass es eine einzige feste, biologisch aktive dreidimensionale Konformation besitzt:
| Position | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Der Rest | TRP | Ala | Gly | Gly | Asp | Ala | Ser | Gly | Glu |
| Einbuchstabiger Code | W | A | G | G | D | A | S | G | E |
| Mechanistische Bedeutung | Spaltbarer N-terminaler Rest | kleiner hydrophober Rest | Flexibel | Flexibel | Kwasowa | kleiner hydrophober Rest | Phosphorylierungsstelle in P-DSIP | Flexibel | Saure C-Terminus |
Ein flaches Sequenzdiagramm ist wissenschaftlich geeigneter als die Darstellung eines einzigen ausgearbeiteten „molekularen Modells” als biologisch aktive Form von DSIP. Kurze Peptide liegen in Lösung als dynamische Ensembles verschiedener Konformationen vor. Ihr Konformationsverhalten kann sich je nach pH-Wert, Ionenstärke, Lösungsmittel, Membranen, Bindungspartnern, Phosphorylierung und Konzentration verändern. Es wurde keine endgültige Struktur von rezeptogebundenem DSIP ermittelt, die eine einzige aktive dreidimensionale Konformation bestätigt.
Die angegebene molekulare Masse erfordert ebenfalls einen entsprechenden Kontext. Der Wert von etwa 848,8 g/mol bezieht sich auf das neutrale, unmodifizierte Peptid, das durch die Summenformel C35H48N10O15 dargestellt wird. Acetatsalze, hydratisierte Formen, Gegenionen, Phosphorylierung, isotopische Markierungen und andere Modifikationen können die Summenformel oder die gemessene molekulare Masse verändern. Die auf einer kommerziellen Viole angegebene Menge in Milligramm bestätigt weder die genaue chemische Form noch die Menge des darin enthaltenen intakten, aktiven Peptids.
Vorgeschlagene neuronale und neuroendokrine Mechanismen
Die Forschung zum DSIP umfasst mehrere Ebenen der biologischen Organisation, von elektrischen Reaktionen isolierter Neuronen bis hin zu Stressreaktionen bei ganzen Tieren. Diese verschiedenen Ebenen sollten nicht zu einem einzigen Signalweg zusammengefasst werden. Ein elektrophysiologisches Experiment kann zeigen, dass DSIP die neuronale Reaktion unter kontrollierten Bedingungen modifiziert, kann aber für sich genommen nicht bestätigen, dass derselbe Mechanismus Schlaf induziert, Cortisol senkt oder den klinischen Zustand verbessert.
Eines der Hauptgebiete der mechanistischen Forschung betrifft das Gleichgewicht zwischen inhibitorischer und exzitatorischer Signalführung. In Hippocampus- und Kleinhirnneuronen von Ratten verstärkte DSIP dosisabhängig die durch GABA, den wichtigsten inhibitorischen Neurotransmitter im Gehirn, aktivierten Ströme. In Kortex- und Hippocampuspräparaten blockierte DSIP zudem die durch NMDA aktivierte Potenzierung. Experimente mit Großhirnrinden-Synaptosomen legten ferner eine Modulation der präsynaptischen, mit NMDA verbundenen Kalziumaufnahme nahe [6]. In separaten Versuchen an Rattenneuronen wurde festgestellt, dass DSIP die durch Glutamat hervorgerufenen exzitatorischen Wirkungen verringerte [7]. Zusammengenommen unterstützen diese Ergebnisse die Möglichkeit einer Verschiebung in Richtung einer geringeren neuronalen Erregbarkeit. Sie zeigen jedoch nicht, dass DSIP in beim Menschen erreichbaren Konzentrationen direkt an GABA-A- oder NMDA-Rezeptoren bindet.
Untersuchungen zu Krampfanfällen und Stress bei Tieren stimmen im Allgemeinen mit diesem Modell des Gleichgewichts zwischen Hemmung und Erregung überein. Unter erhöhtem Sauerstoffdruck war die Verabreichung von DSIP an Ratten mit höheren Konzentrationen von GABA und Homokarnosin in der Hirnrinde sowie niedrigeren Konzentrationen von Glutamat und Aspartat verbunden [15]. Dies war eine biochemische Entdeckung aus einem speziellen tierischen Anfallsmodell. Sie lässt sich nicht direkt auf die Behauptung übertragen, dass DSIP ein GABA-erges Medikament, ein NMDA-Antagonist oder ein Antikonvulsivum für Menschen ist.
Es wurden auch monoaminergische Mechanismen untersucht. In einem Experiment zur Thermoregulation bei Ratten wurde der Einfluss von DSIP auf durch einen Serotoninagonisten verursachte Temperaturveränderungen durch pharmakologische Blockade modifiziert. Die Forscher schlugen daher eine mögliche Beteiligung eines mit dem 5-HT1A-Rezeptor verbundenen Mechanismus vor [8]. DSIP und phosphoryliertes DSIP veränderten auch die durch Apomorphin hervorgerufene Hypothermie, während Haloperidol beide Wirkungen antagonisierte. Dies legte einen Zusammenhang mit der dopaminergen Signalisierung in diesem spezifischen thermoregulatorischen Modell nahe [9]. Diese Studien zeigen die Abhängigkeit bestimmter tierischer Reaktionen von spezifischen Signalwegen, bestätigen jedoch nicht, dass DSIP ein Agonist von Serotonin- oder Dopaminrezeptoren ist.
Die endogene Biologie von DSIP bleibt besonders unklar. DSIP-ähnliche Immunreaktivität wurde im Gehirn, in der Hypophyse, in peripheren Geweben, im Plasma, im Liquor cerebrospinalis, im Urin und in der Milch nachgewiesen. Ein Teil dieses immunoreaktiven Materials scheint an größere Moleküle gebunden zu sein. Antikörperbasierte Methoden können nicht immer intakten freien DSIP von gebundenem Peptid, präkursorähnlichem Material oder kreuzreagierenden Sequenzen unterscheiden. In Übersichtsarbeiten wurde DSIP daher als ein unvollständig verstandenes Peptidsystem beschrieben und nicht als ein vollständig charakterisiertes Hormon mit einem definierten Gen, Rezeptor, Syntheseweg und Rückkopplungsmechanismus [2–4].
DSIP, ACTH und Cortisol
DSIP wurde als potenzieller Regulierer der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die allgemein als HPA-Achse bezeichnet wird, untersucht. Im klassischen Stressantwortweg schüttet der Hypothalamus Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) aus. CRH regt die Hypophyse zur Ausschüttung von adrenocorticotropem Hormon (ACTH) an, und ACTH stimuliert anschließend die Nebennierenrinde zur Produktion von Cortisol beim Menschen oder hauptsächlich Corticosteron bei Ratten. Es wurden Ergebnisse im Zusammenhang mit DSIP auf mehreren Ebenen dieses Systems beobachtet, diese bestätigen jedoch nicht, dass DSIP eine Substanz ist, die den Cortisolspiegel zuverlässig senkt.
In einer kleinen klinischen Studie wurden die ACTH- und Arginin-Vasopressin-Reaktionen bei gesunden Männern untersucht. Acht Teilnehmern wurde DSIP während eines Teils des Protokolls infundiert, während weitere sieben Teilnehmer in andere Zeitbedingungen einbezogen wurden. DSIP senkte die ACTH-Konzentration im Blut signifikant, beeinflusste jedoch weder die basale Vasopressinkonzentration noch deren Reaktion auf osmotische und orthostatische Reize [11]. Dies ist ein direkter neuroendokriner Beweis aus einer Studie am Menschen. Das Experiment war jedoch klein und physiologischer Natur. Es zeigte keine therapeutische Wirkung auf Cortisol, keinen langfristigen Nutzen, keine klinische Wirksamkeit und keine Sicherheit moderner subkutaner oder intranasaler DSIP-Produkte.
In einer anderen Studie am Menschen wurde ein CRH-Stimulationstest bei 12 Personen mit einer schweren depressiven Störung und 12 entsprechend gematchten Kontrollpersonen durchgeführt. Die basalen DSIP- und Cortisolspiegel korrelierten miteinander und waren bei den Teilnehmern mit Depression höher. Auch die DSIP-Antworten nach der Gabe von CRH unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen. Die Forscher werteten diese Ergebnisse als vereinbar mit einer möglichen modulierenden Rolle von DSIP bei der Regulation der HPA-Achse [12]. Da es sich hierbei jedoch um eine Biomarker- und Stimulus-Antwort-Studie handelte, beweist sie nicht, dass die Verabreichung von DSIP den Cortisolspiegel senkt oder Depressionen heilt.
Tierdaten hängen ähnlich von den experimentellen Bedingungen ab. Bei Ratten, die einem langfristigen Immobilisationsstress ausgesetzt waren, stiegen die ACTH-, Corticosteron- und Beta-Endorphinspiegel an. Die Verabreichung von DSIP verringerte den Anstieg des Corticosterons teilweise, führte jedoch nicht zu einer einfachen Hemmung aller gemessenen Hormone [13]. Andere Experimente legten nahe, dass die neuronalen Wirkungen von DSIP von den Ausgangskonzentrationen der Corticosteroide abhingen und unter stressbedingten Bedingungen deutlicher wurden. Dieses Muster stimmt eher mit einer zustandsabhängigen Modulation als mit einem universellen Cortisol-Hemmungsmechanismus überein.
Aus diesem Grund ist die Aussage „DSIP senkt Cortisol” zu kategorisch. Eine präzisere Schlussfolgerung lautet, dass begrenzte Daten aus Human- und Tierstudien auf eine Interaktion von DSIP mit der Regulation der HPA-Achse, einschließlich ACTH- und Kortikosteroidreaktionen, hindeuten, es jedoch kein validiertes klinisches Protokoll gibt, das eine vorhersehbare Cortisolsenkung nachweist. Cortisol unterliegt zudem einem starken zirkadianen Rhythmus und ist abhängig von Erkrankungen, Schlafentzug, Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität, Medikamenten sowie den Probenahmebedingungen. Eine einzelne Cortisolmessung erfordert daher den entsprechenden Kontext.
DSIP und schlafregulierende Wege
DSIP erhielt seinen Namen aufgrund des beobachteten experimentellen Phänotyps und nicht aufgrund der Entdeckung eines spezifischen Rezeptorwegs. In den ursprünglichen Experimenten an Kaninchen wurde Material verwendet, das während des elektrisch ausgelösten Schlafs gewonnen wurde, und es wurde gezeigt, dass das isolierte und anschließend synthetisch hergestellte Nonapeptid nach intraventrikulärer Verabreichung die Delta- und Schlafspindelaktivität im EEG erhöhte [1]. Spätere Experimente brachten widersprüchliche Ergebnisse, die von der Spezies, dem Verabreichungsweg, der Dosis und dem Behandlungsschema abhingen. Diese Inkonsistenz ist einer der Gründe, warum die vorgeschlagene Rolle von DSIP als universeller endogener Schlaffaktor Gegenstand von Diskussionen bleibt [2–4].
Mehrere Mechanismen könnten DSIP potenziell mit der Schlafregulierung verknüpfen. Eine Erhöhung der GABA-induzierten Hemmung in Kombination mit einer Verringerung der Glutamat- und NMDA-induzierten Erregung könnte die neuronale Erregung in bestimmten Schaltkreisen begrenzen [6,7]. Veränderungen der serotonergen und dopaminergen Aktivität könnten die Übergänge zwischen Schlaf und Wachen, die Thermoregulation und das zirkadiane Verhalten beeinflussen [8–10]. Die Modulation der HPA-Achse könnte den Schlaf unter Bedingungen erhöhter Stresssystemaktivität indirekt beeinflussen [11–13]. Keiner dieser Wege wurde jedoch als der Hauptmechanismus identifiziert, der für die wiederholbare Wirkung von DSIP auf den Schlaf beim Menschen verantwortlich ist.
Tierversuche deuten auch darauf hinaus, dass der Zeitpunkt der Verabreichung und das Expositionsmuster die Reaktion beeinflussen können. Wiederholte Verabreichungen veränderten die zirkadiane Lokomotivaktivität unter Bedingungen von Dauerdauerlicht, wobei natives DSIP und P-DSIP unterschiedliche Muster hervorriefen [10]. In Schlafstudien an Ratten erhöhte das phosphorylierte Analogon nach zentraler Verabreichung sowohl den Slow-Wave-Schlaf als auch den paradoxen Schlaf, obwohl der Bereich der wirksamen Dosen nicht linear war [16,17]. Diese Ergebnisse können bei der Aufstellung von Hypothesen zur zirkadianen Regulation und zur Schlafarchitektur helfen, beweisen jedoch nicht, dass eine periphere Verabreichung beim Menschen zu denselben Gehirnarealen gelangt oder dieselben Wirkungen hervorruft.
Menschliche Schlaf- und Insulinstudien haben durchgehend keine starken Effekte gezeigt. Einige kleine Experimente verzeichneten Veränderungen schlafbezogener Parameter, aber kontrollierte Studien zeigten im Allgemeinen schwache, variable oder klinisch begrenzte Vorteile. Selbst wenn DSIP also neuronale Bahnen moduliert, die mit Hemmung, Stress oder dem zirkadianen Rhythmus zusammenhängen, haben sich die mechanistischen Ergebnisse nicht in eine etablierte Behandlung der Schlaflosigkeit übersetzt.
Was ist über die Halbwertszeit von DSIP bekannt?
Es wurde keine gut bestätigte Eliminationshalbwertszeit von DSIP beim Menschen ermittelt, die eine zuverlässige Bestimmung der klinischen Wirkungsdauer, der Akkumulation oder der Dosierungshäufigkeit ermöglichen würde.
Der oft zitierte Wert von etwa 15 Minuten stammt aus Experimenten zum proteolytischen Abbau an Hirnschnitten oder -homogenaten. In diesen Experimenten war der gemessene Endpunkt die Entfernung des N-terminalen Tryptophans [3]. Dies ist ein Maß für den Abbau im Gewebe in vitro und kein moderner Messwert für die pharmakokinetische Halbwertszeit nach intravenöser Verabreichung beim Menschen.
Frühere Untersuchungen mit Homogenaten aus Rattengehirnen zeigen denselben Unterschied. Nach 7,5 Minuten Inkubation mit 2,5% des Gehirnhomogenats wurden etwa 30% N-terminales Tryptophan-DSIP freigesetzt. Die Abbaurate variierte je nach Versuchsbedingungen und Entwicklungsalter [5]. Ein solcher Test zeigt die Anfälligkeit für enzymatische Spaltung. Er misst nicht direkt die Resorption, die Verteilung, die Plasmaklarance, die Gewebebindung, die renale Ausscheidung oder die Wirkdauer im lebenden menschlichen Organismus.
Inkubationsuntersuchungen mit Blut zeigten ebenfalls, dass der Abbau von DSIP zeit-, temperatur- und speziesabhängig war. Natives DSIP verschwand in Zubereitungen aus menschlichem oder Rattenblut relativ schnell, wobei Produkte entstanden, die der Abspaltung des N-terminalen Tryptophans entsprachen. Markierte, phosphorylierte oder am N-Terminus modifizierte Analoga bauten sich langsamer ab und bildeten Komplexe oder Aggregate, die möglicherweise die scheinbare Präsenz des intakten Materials verlängern konnten [18]. Es handelte sich dabei um Biostabilitätsstudien und nicht um validierte pharmakokinetische Studien am Menschen.
Dieser Unterschied erklärt, warum die Begriffe „Halbwertszeit” und „Wirkungsdauer” nicht synonym verwendet werden sollten. Ein Peptid kann schnell aus der freien zirkulierenden Fraktion im Plasma verschwunden sein und gleichzeitig eine nachfolgende Signalübertragung auslösen, die viel länger anhält. Andererseits kann immunoreaktives Material nachweisbar bleiben, weil es an einen Träger gebunden ist oder weil die Messung verwandte Fragmente erfasst, obwohl diese biologisch nicht dem intakten freien DSIP entsprechen.
Die veröffentlichten Daten liefern keine verlässlichen Werte für die terminale Halbwertszeit, die Bioverfügbarkeit, das Verteilungsvolumen, die Clearance oder die Exposition beim Menschen nach intranasaler oder subkutaner Verabreichung.
Metabolismus, Abbau und pharmakokinetische Unsicherheit
Das N-terminale Tryptophan scheint in mehreren Experimenten zum Abbau von DSIP eine wichtige frühe Spaltungsstelle darzustellen. In Geweben und im Blut vorhandene Peptidasen können nacheinander Reste entfernen oder Peptidbindungen spalten und so Fragmente bilden, die inaktiv sein, eine andere Aktivität aufweisen oder durch bestimmte analytische Methoden weiterhin nachweisbar bleiben können. Die gemessene Abbaurate kann durch Temperatur, pH-Wert, Enzymkonzentration, Spezies, biologische Matrix und Peptidmodifikation beeinflusst werden [3,5,18].
Die Bindung an Proteine und die Aggregation komplizieren die Interpretation zusätzlich. Frühere Studien legten nahe, dass die endogene DSIP-ähnliche Immunreaktivität mit größeren Trägerproteinen verbunden sein könnte, was das Peptid möglicherweise vor einem raschen proteolytischen Abbau schützt [3]. Modifizierten Analoga zeigten in vitro ebenfalls eine Komplexbildung sowie einen langsameren Abbau [18]. Infolgedessen kann ein Test zur Messung der Gesamtimmunreaktivität ein anderes Ergebnis liefern als eine analytische Methode, die spezifisch intaktes, freies DSIP misst.
Tierversuche und In-vitro-Modelle von Endothelzellen zur Blut-Schranke-Fakultät legten einen gewissen Grad an DSIP-Penetration nahe. Die Ergebnisse zum Transport bestimmen jedoch nicht, welcher Teil eines modernen Nasen- oder Injektionsprodukts neuronale Ziele beim Menschen erreicht. Die routenabhängige Resorption, der Schleimhautstoffwechsel, die periphere Bindung, die renale Elimination und der lokale Gewebeabbau bleiben unzureichend charakterisiert. Behauptungen, dass intranasales DSIP den Abbau vollständig „umgeht” oder einen bestimmten Teil der Substanz direkt an das Gehirn liefert, werden durch entsprechende pharmakokinetische Studien nicht gestützt.
Diese pharmakokinetischen Unsicherheiten verhindern auch eine wissenschaftlich verlässliche Umrechnung der Exposition zwischen intravenöser, subkutaner, intranasaler und oraler Verabreichung. Identische Mengen, die über verschiedene Wege verabreicht werden, führen nicht notwendigerweise zu äquivalenten Blutkonzentrationen oder Gehirnexpositionen. Die Literatur erlaubt es daher nicht, ein klinisches Dosierungsschema auf der Grundlage des in vitro beobachteten Abbaus von etwa 15 Minuten zu begründen.
Was ist Phospho-DSIP oder P-DSIP?
Phospho-DSIP, auch bekannt als P-DSIP oder DSIP-P, ist eine phosphorylierte Form von DSIP, bei der der Serinrest an Position 7 eine Phosphatgruppe enthält.
Die Phosphorylierung führt eine zusätzliche negativ geladene chemische Gruppe ein und kann die Konformation des Peptids, seine Anfälligkeit gegenüber Enzymen, seine Bindungseigenschaften, seine Aggregation sowie sein biologisches Verhalten verändern. P-DSIP sollte daher nicht einfach als ein anderer Name für natives DSIP betrachtet werden.
Immunchemische Untersuchungen identifizierten eine DSIP-ähnliche, an Ser7 phosphorylierte Form. Ein In-vitro-Enzymexperiment zeigte zudem, dass Caseinkinase II DSIP unter Verwendung von ATP oder GTP als Phosphatdonor phosphorylieren kann. Unter diesen Bedingungen war die apparente Affinität zum Substrat gering, und die Forscher beschrieben DSIP als potenzielles In-vitro-Substrat, ohne das für die Phosphorylierung im lebenden menschlichen Organismus verantwortliche Enzym zu benennen [19]. Der Nachweis, dass ein Enzym DSIP in einem Laborsystem phosphorylieren kann, beweist nicht, dass dieselbe Reaktion seinen natürlichen Biosyntheseweg im menschlichen Organismus darstellt.
Die Phosphorylierung verändert auch die molare Masse. Die Addition einer Phosphatgruppe erhöht die Masse des Peptids um etwa 80 Da. Die erwartete molekulare Masse von einfach phosphoryliertem P-DSIP beträgt daher, abhängig von Ionisierung und Salzform, etwa 928,8 Da. Hierbei handelt es sich um einen berechneten chemischen Wert und nicht um das analytische Ergebnis einer konkreten Produktcharge.
Natives DSIP vs. phosphorylierte Analoga
Natives DSIP und P-DSIP verhielten sich in Tierversuchen und In-vitro-Experimenten unterschiedlich.
Bei frei beweglichen Ratten führte eine kontinuierliche, zehnstündige nächtliche intraventrikuläre Infusion von 0,5 nmol P-DSIP zu einer Zunahme des Slow-Wave-Schlafs um 22% und des REM-Schlafs um 81%. Der Anstieg war auf eine größere Anzahl von Schlafphasen zurückzuführen, während sowohl höhere als auch niedrigere getestete Dosen wirkungslos blieben. In diesem speziellen Versuch schätzten die Forscher, dass P-DSIP etwa fünfmal stärker war als natives DSIP [16].
In einem weiteren Experiment an Ratten wurde P-DSIP vor der Dunkelphase in die dritte Hirnkammer verabreicht. Bei einer Dosis von 200 pmol/kg erhöhte P-DSIP den Slow-Wave-Schlaf um 17,31 TP30T und den REM-Schlaf um 32,31 TP30T während der auf die Verabreichung folgenden Dunkelphase, ohne die Einschlafzeit zu verkürzen. Die Wirkung auf den Slow-Wave-Schlaf hielt in der folgenden Lichtphase an, woraufhin die Werte am zweiten Tag wieder auf das Kontrollniveau zurückkehrten [17]. Es handelte sich um Tierversuche mit zentraler Verabreichung. Es handelte sich nicht um Studien am Menschen, und sie legen weder ein nasales noch ein subkutanes Verabreichungsprotokoll fest.
P-DSIP verhielt sich auch in allen experimentellen Modellen nicht als konsistent länger wirksame Form. Im Experiment zur Apomorphin-induzierten Hypothermie trat die Wirkung von P-DSIP schneller auf und klang schneller ab als die Wirkung von nativem DSIP [9]. In Inkubationsstudien mit Blut zeigten markierte phosphorylierte Analoga hingegen eine langsamere Degradation und Komplexbildung [18].
Diese scheinbar unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, warum die Wirkungsdauer davon abhängt, was genau gemessen wird. Chemische Stabilität in einer biologischen Matrix, rezeptorbezogene Physiologie, Verhalten und Schlafarmitektur können unterschiedlichen Zeitrahmen folgen.
| Tscheche | Natives DSIP | P-DSIP / DSIP-P |
|---|---|---|
| Chemischer Unterschied | Unmodifizierte Ser7 | Phosphatgruppe an Ser7 gebunden |
| Ungefähre molekulare Masse | 848,8 Da [14] | Ca. 928,8 Da basierend auf Berechnungen |
| Degradationsdaten | Schnelle Spaltung beobachtet in Gehirn- und Blutpräparaten [3,5,18] | Einige markierte Analoga zeigten einen langsameren Abbau und eine langsamere Komplexbildung [18] |
| Schlafdaten | Schwankende Tierversuchsergebnisse und begrenzte Humandaten | Erhöhung des SWS und des paradoxen Schlafs in ausgewählten Studien an Ratten mit zentraler Infusion [16,17] |
| Relative Aktivität | Referenzpeptid | Etwa fünfmal so groß in einer Rattenstudie mit zentraler Infusion [16] |
| Klinischer Status beim Menschen | Keine etablierte, zugelassene therapeutische Anwendung | Es gibt keine festgelegte, zugelassene therapeutische Anwendung und noch weniger Daten am Menschen. |
Welche Aussagen zum Mechanismus sind bestätigt und welche hypothetisch?
Zu den am besten gesicherten chemischen Befunden gehören die neun Aminosäuren umfassende Sequenz von DSIP, die ungefähre Summenformel und Masse des freien Peptids sowie die Lokalisierung der Phosphorylierungsstelle Ser7 [1,14,19].
Experimentelle Daten zeigen zudem, dass DSIP in Gehirn- und Blutpräparaten abgebaut werden kann, dass P-DSIP sich anders verhalten kann als natives DSIP und dass DSIP in ausgewählten experimentellen Modellen Parameter modulieren kann, die mit GABA, Glutamat, NMDA, Monoaminen und dem neuroendokrinen System zusammenhängen [5–13,16–19].
Ebenso wichtig sind die Bereiche der Unsicherheit.
Es wurde kein eindeutiger DSIP-Rezeptor identifiziert. Kein einzelner intrazellulärer Signalweg erklärt alle berichteten Wirkungen von DSIP. Der oft zitierte Wert von 15 Minuten ist keine etablierte Eliminationshalbwertszeit beim Menschen. Eine vorhersehbare kortisolsenkende Wirkung wurde nicht nachgewiesen. Es ist auch nicht bekannt, ob die beobachteten Wirkungen auf GABA oder NMDA die Schlafreaktionen beim Menschen erklären.
Ebenso bestätigt eine höhere Aktivität von P-DSIP in ausgewählten Tierexperimenten dessen Überlegenheit beim Menschen nicht. Auch der Nachweis einer DSIP-ähnlichen Immunreaktivität muss nicht notwendigerweise auf die Konzentration von intaktem, freiem DSIP hinweisen.
| Behauptung | Beweiswürdigung |
|---|---|
| DSIP ist ein Nonapeptid mit der Sequenz WAGGDASGE | Chemisch bestätigt [1,14] |
| Freies DSIP hat eine Molekularmasse von etwa 848,8 g/mol. | In der Datenbank [14] bestätigte chemische Eigenschaft |
| DSIP hat beim Menschen eine Halbwertzeit von 15 Minuten | Nicht bestätigt; der Wert stammt aus In-vitro-Proteolyse-Studien [3] |
| DSIP aktiviert direkt den spezifischen DSIP-Rezeptor | Unbestätigt |
| DSIP kann GABA- und NMDA-vermittelte Reaktionen modulieren. | Bestätigt in neuronalen Präparaten von Ratten [6] |
| DSIP senkt Cortisol beim Menschen zuverlässig | Unbestätigte, begrenzte Ergebnisse zur HPA-Achse sind kontextabhängig [11–13] |
| P-DSIP ist an Ser7 phosphoryliert | Bestätigt durch chemische Analysen und In-vitro-Phosphorylierung [19] |
| P-DSIP ist stärker als natives DSIP | In bestimmten Tierversuchen bestätigt, jedoch nicht als allgemeine Schlussfolgerung für den Menschen [16] |
| Der Mechanismus des Einflusses von DSIP auf den Schlaf ist vollständig verstanden | Falsch; einige der vorgeschlagenen Pfade bleiben ungeklärt [2–4] |
Einschränkungen der Daten zum Wirkungsmechanismus
Ein Großteil der Literatur über DSIP stammt aus der Zeit von den 1970er bis zu den 1990er Jahren. Viele dieser Experimente verwendeten Methoden, die darauf ausgelegt waren, wesentlich enger gefasste Fragen zu beantworten als die moderne Rezeptorphararmakologie, Proteomik, Massenspektrometrie-basierte Pharmakokinetik oder kontrollierte klinische Studien.
Zahlreiche Ergebnisse basieren auf intraventrikulärer Verabreichung, isolierten Neuronen, Gewebehomogenaten, Synaptosomen, radioimmunologischen Tests oder speziellen Tiermodellen im Zusammenhang mit Stress und Thermoregulation.
Die Ergebnisse variieren auch je nach Spezies, Verabreichungsweg, Dosis, Zeitpunkt und physiologischem Ausgangszustand. Insbesondere nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen erschweren eine breite Extrapolation.
Antikörperbasierte Messungen von DSIP-ähnlichem Material können ebenfalls keine konsistente Unterscheidung zwischen intaktem freiem Peptid, größeren gebundenen Formen und kreuzreagierenden Molekülen ermöglichen.
Mechanistische Ergebnisse bleiben daher wertvoll für die Generierung und Testung von Forschungshypothesen, können jedoch keine wirksame Dosis beim Menschen, kein Behandlungsschema, keinen klinischen Nutzen und kein Sicherheitsprofil ermitteln.
Häufig gestellte Fragen zum DSIP-Mechanismus
Was ist der Wirkungsmechanismus von DSIP?
DSIP scheint die inhibitorischen, exzitatorischen, monoaminergen, zirkadianen und HPA-Achsen-Prozesse zu beeinflussen, aber es wurde weder ein einzelner Rezeptor noch ein einheitlicher Wirkungsmechanismus bestätigt.
Die direktesten Daten zu den Signalwegen stammen aus Studien an Neuronen und tierischem Gewebe sowie aus kleinen neuroendokrinen Studien und nicht aus eindeutigen Rezeptorstudien am Menschen.
Wie wirkt das Peptid DSIP auf den Schlaf?
Mögliche schlafbezogene Mechanismen umfassen eine Verstärkung der GABA-induzierten Hemmung, eine Reduzierung der Glutamat- und NMDA-vermittelten Erregung, Veränderungen der Monoaminsignalisierung, eine Modulation des zirkadianen Rhythmus sowie Veränderungen der Aktivität der Stressachse unter bestimmten Bedingungen [6–13].
Keiner dieser Mechanismen wurde als Hauptweg identifiziert, der für die Auswirkungen auf den Schlaf beim Menschen verantwortlich ist, und die klinischen Ergebnisse bezüglich des Schlafs waren uneinheitlich.
Bindet sich DSIP an GABA-Rezeptoren?
DSIP verstärkte GABA-aktivierte Ströme in Hippocampus- und Kleinhirnneuronen von Ratten [6].
Dieses Ergebnis beweist jedoch nicht, dass DSIP direkt an eine bestimmte GABA-Rezeptorstelle bindet. Es bestätigt auch nicht, dass DSIP wie Benzodiazepine oder andere GABAerge Medikamente wirkt.
Beeinflusst DSIP Glutamat oder NMDA-Rezeptoren?
Experimente an Neuronen und Synaptosomen von Ratten zeigten Veränderungen bezüglich der glutamatabhängigen Erregung, der NMDA-assoziierten Potenziierung und der Calciumaufnahme [6,7].
Diese präklinischen Beobachtungen stützen die Möglichkeit einer Modulation der exzitatorischen Signalkette, bestätigen jedoch keine klinisch nützliche NMDA-blockierende Wirkung beim Menschen.
Senkt DSIP den Cortisolspiegel?
Nicht auf eine Weise, die sich aus den gegenwärtigen Beweisen vorhersagen lässt.
Kleine Studien am Menschen und Stressexperimente an Tieren deuten darauf hin, dass DSIP die Regulierung von ACTH, Cortisol oder Corticosteron beeinflussen kann. Diese Studien bestätigen DSIP jedoch nicht als verlässliche Methode zur Senkung des Cortisolspiegels [11–13].
Wie hoch ist die Halbwertszeit des DSIP-Peptids?
Für die Halbwertszeit von DSIP im menschlichen Plasma wurde bisher keine validierte Zeitspanne ermittelt.
Der häufig zitierte Wert von etwa 15 Minuten stammt aus Studien zur proteolytischen Tryptophan-Entfernung in Hirnschnitten oder -homogenaten und nicht aus Messungen der pharmakokinetischen Elimination von DSIP beim Menschen [3].
Warum kann die Wirkung von DSIP länger anhalten als seine Abbauzeit?
Ein Peptid kann weitere neuronale oder hormonelle Prozesse auslösen, die nach dem Abbau oder der Entfernung des ursprünglichen Moleküls anhalten.
Die Bindung an größere Moleküle, die Gewebeverteilung, die Kreuzreaktivität von Assays und das Vorhandensein nachweisbarer oder biologisch aktiver Fragmente können ebenfalls zu Unterschieden zwischen der gemessenen DSIP-ähnlichen Immunreaktivität und der tatsächlichen Konzentration von intaktem, freiem DSIP führen.
Wie hoch ist das Molekulargewicht von DSIP?
Das unmodifizierte freie Peptid hat ein ungefähres Molekulargewicht von 848,8 g/mol und die Summenformel C35H48N10O15 [14].
Salzformen, Gegenionen, Hydratisierung, Isotopenmarkierung oder Phosphorylierung können die Summenformel oder die gemessene Masse verändern.
Wie lautet die CAS-Nummer von DSIP?
CAS-Nummer 62568-57-4 wird allgemein Emideltid oder freiem DSIP zugeschrieben.
Katalogangaben sollten jedoch hinsichtlich der genauen chemischen Form überprüft werden, da freie Peptide, Acetat-Formen, modifizierte Analoga und analytische Standards nicht automatisch äquivalent sind.
Wie lautet die Aminosäuresequenz von DSIP?
Die DSIP-Sequenz lautet Trp–Ala–Gly–Gly–Asp–Ala–Ser–Gly–Glu, abgekürzt WAGGDASGE [1].
Dies ist ein Nonapeptid mit Serin an Position 7.
Was ist Phospho-DSIP?
Fosfo-DSIP, P-DSIP oder DSIP-P ist eine an Ser7 phosphorylierte Form von DSIP.
In ausgewählten In-vitro- und Tierstudien wurden Unterschiede zwischen P-DSIP und nativem DSIP hinsichtlich des Abbaus, der Thermoregulation, der zirkadianen Aktivität und schlafbezogener Effekte festgestellt [9,10,16–19].
Ist P-DSIP besser als natives DSIP?
Dies wurde beim Menschen nicht bestätigt.
P-DSIP zeigte in einem Schlafexperiment an Ratten mit zentraler Verabreichung eine höhere Aktivität, aber seine Wirkung variierte je nach Dosis und Versuchsmodell [16]. Es mangelt an geeigneten direkten klinischen Studien am Menschen, die eine größere Wirksamkeit oder Sicherheit belegen.
Ist DSIP ein endogenes Hormon?
DSIP-ähnliche Immunreaktivität wurde in mehreren Geweben und biologischen Flüssigkeiten nachgewiesen, aber ihr endogener Precursor, Syntheseweg, Rezeptor und ihre biologische Identität bleiben unvollständig verstanden.
Die Bezeichnung von DSIP als vollständig charakterisiertes menschliches Hormon würde daher über die verfügbaren Beweise hinausgehen [2–4].
Haftungsausschluss
Der Inhalt dient ausschließlich Bildungs- sowie wissenschaftlich-informatorischen Zwecken. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose, Empfehlungen bezüglich Behandlung oder Dosierung sowie keine Empfehlung zur Anwendung von DSIP dar.
Delta-Schlaf-induzierendes Peptid (DSIP, Emideltide) und Phospho-DSIP sind weder von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA), der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) noch von der britischen Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) für die Behandlung von Insomnie, die Senkung des Cortisolspiegels, die Behandlung von Stress oder andere in diesem Artikel besprochene Anwendungen zugelassen.
Die verfügbaren Daten sind begrenzt und stammen in erster Linie aus Tierversuchen, Ex-vivo-, In-vitro- und mechanistischen Studien sowie aus kleinen historischen Humanstudien. Der Artikel enthält kein Protokoll für Dosierung, Rekonstitution, Injektion oder Eigenanwendung.
Referenzen
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