NAD+ wird häufig als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmittel-Kombinationen anstelle einer Einzelkomponente verwendet. Zu den beliebten Kombinationen gehören NAC, Berberin, Omega-3-Fettsäuren und Nicotinamid-Ribosid. Einige als „NAD+” gekennzeichnete Produkte basieren zudem hauptsächlich auf Nicotinamid-Ribosid als Zutat zur Erhöhung des NAD+-Spiegels. Diese Kombinationen wirken jedoch nicht über dieselben biologischen Wege, und direkte Studien zu den Kombinationen selbst sind begrenzt. In diesem Leitfaden gehen wir auf jede dieser beliebten Kombinationen ein, erläutern die Wirkung der einzelnen Bestandteile, die Gründe für deren Kombination mit NAD+ sowie das, was die aktuelle Forschung bezüglich ihrer gemeinsamen Anwendung zeigt und was nicht bestätigt.
NAD+ und NAC (N-Acetylcystein): Warum werden sie kombiniert?
NAC, also N-Acetylcystein, ist eine acetylierte Form der Aminosäure Cystein. Sie wird in erster Linie als Vorstufe von Glutathion, einem der wichtigsten intrazellulären Antioxidantien des Körpers, verwendet und hat seit langem einen festen klinischen Stellenwert als Standardtherapie bei Paracetamol-Überdosierungen [1].
NAC unterscheidet sich chemisch und funktionell von NAD+. Es ist keine Verbindung auf Nicotinamidbasis und tritt nicht direkt in den NAD+-Biosyntheseweg ein.
Die Begründung für die Kombination beider Verbindungen ergibt sich aus der indirekten Verknüpfung im Rahmen der zellulären Redoxbiologie.
Glutathion kommt in reduzierter und oxidierter Form vor. Die Regeneration von oxidiertem Glutathion in seine aktive, reduzierte Form ist von NADPH abhängig, einer mit NAD+ verwandten phosphorylierten Verbindung, die an zellulären antioxidativen und biosynthetischen Reaktionen beteiligt ist [2].
Dies liefert eine mechanistische Begründung, wonach NAC die Verfügbarkeit von Glutathion unterstützt, während der NAD+-assoziierte Metabolism mit einem breiteren Pool von Pyridinnukleotiden verknüpft ist, der auch NADPH umfasst.
Diese Wege sind daher im Rahmen eines breiteren zellulären Redox-Systems miteinander verknüpft, aber die Abhängigkeit ist indirekt und resultiert nicht aus einer direkten Wechselwirkung zwischen NAC und NAD+.
Es wurde keine dedizierte klinische Studie am Menschen identifiziert, die NAC zusammen mit einem NAD+-Vorläufer spezifisch getestet hat. Folglich basieren Behauptungen über die Synergie beider Inhaltsstoffe hauptsächlich auf ihren jeweiligen Rollen in der Redoxbiologie und nicht auf direkten Beweisen, die zeigen, dass die Kombination einen größeren Effekt erzielt als jeder Inhaltsstoff für sich allein.
Jeder der Inhaltsstoffe hat seine eigene Evidenzbasis, wobei NAC eine wesentlich längere und besser etablierte Geschichte der klinischen Anwendung aufweist als NAD+-Vorläufer. Die konkrete kommerzielle Kombination wurde jedoch noch nicht unabhängig in einer veröffentlichten klinischen Studie evaluiert.
NAD+ und Berberin: Kombination in Pflastern und Nahrungsergänzungsmitteln
Berberin ist eine pflanzliche Verbindung, die hauptsächlich im Hinblick auf ihren Einfluss auf den Glukose- und Lipidstoffwechsel untersucht wird.
Einer ihrer Hauptmechanismen umfasst die Aktivierung von AMPK, einer durch AMP aktivierten Proteinkinase, einem wichtigen zellulären Enzym, das für die Erkennung des Energiezustands verantwortlich ist [3].
AMPK unterscheidet sich vom NAD+/Sirtuin-Weg, obwohl beide Systeme an mehreren Stellen in dem breiteren Netzwerk zur Regulierung des zellulären Energiestoffwechsels miteinander interagieren.
Dies liefert eine biologische Begründung für die Kombination von Berberin mit NAD+-verwandten Verbindungen, beweist jedoch nicht, dass die Kombination zu einem synergistischen klinischen Effekt führt.
Eine solche Kombination tritt besonders häufig bei transdermalen Produkten auf, darunter Pflaster, die als „Berberine x NAD” beworben werden. Einige Formulierungen enthalten auch zusätzliche Inhaltsstoffe wie Moringa.
Die Pflasterform bringt eine zusätzliche pharmakologische Dimension ein, da NAD+ und Berberin deutlich unterschiedliche molekulare Eigenschaften aufweisen.
NAD+ hat ein Molekulargewicht von etwa 663 Dalton und ist stark geladen. Diese Eigenschaften stellen eine erhebliche Barriere für die passive Penetration durch intakte Haut dar und sorgen dafür, dass NAD+ den allgemeinen Bereich der Molekülgröße überschreitet, der als günstig für die passive transdermale Absorption angesehen wird.
Berberin ist kleiner und hat je nach Salzform ein Molekulargewicht von etwa 336 bis 390 Dalton.
Dies bedeutet, dass zwei Inhaltsstoffe im selben transdermalen Produkt sehr unterschiedliche Hauteigenschaften aufweisen können. Sie als einen „Stack” zu bewerben, beweist nicht, dass beide Inhaltsstoffe im gleichen Maße über die Haut aufgenommen werden.
Es wurden keine spezifischen klinischen Studien am Menschen identifiziert, die NAD+ oder seine Vorläufer zusammen mit Berberin getestet haben, weder in Form von Pflastern noch über andere Verabreichungswege.
Die Aussagen über eine kombinierte oder synergetische Wirkung stützen sich daher auf eine separate biologische Begründung und Daten für jeden einzelnen Inhaltsstoff und nicht auf direkte Daten zu dieser Kombination beim Menschen.
NAD+ und Nicotinamid-Ribosid: Wirken sie auf denselben Signalweg?
Nicotinamid-Ribosid, kurz NR, unterscheidet sich von NAC und Berberin, da es keine eigenständige Verbindung ist, die auf einen separaten biologischen Stoffwechselweg einwirkt.
NR ist ein Vorläufer von NAD+ [4].
Der Organismus wandelt NR über enzymatische Wege um, die letztendlich zur Produktion von NAD+ beitragen. Infolgedessen ist die Kombination des als direktes „NAD+” bezeichneten Produkts mit NR eher als Einwirken auf denselben biochemischen Endpunkt aus unterschiedlichen Ausgangsformen zu verstehen als als Kombination zweier deutlich unabhängiger Mechanismen.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, da die Kennzeichnung der Produkte den Eindruck erwecken kann, dass NAD+ und NR zwei separate, sich gegenseitig ergänzende Wirkstoffe sind.
Aus biochemischer Sicht sind jedoch letztlich beide Ansätze darauf ausgerichtet, den NAD+-Pool zu vergrößern.
Es wurde kein konkretes Sicherheitsproblem dokumentiert, das ausschließlich aus der direkten Kombination von NAD+ mit NR resultiert. Es wurden jedoch keine dedizierten Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien identifiziert, die kommerzielle Produkte bewerten, die beide Formen enthalten.
Eine solche Kombination darf daher nicht automatisch so interpretiert werden, dass sie zwei unabhängige Wirkmechanismen gewährleistet.
Dies unterscheidet sich von Kombinationen wie NAD+ mit NAC oder Berberin, bei denen die Inhaltsstoffe hauptsächlich an getrennten biologischen Stoffwechselwegen beteiligt sind, auch wenn sie sich indirekt miteinander überschneiden können.
Diese Unterscheidung ist auch beim Vergleich von Beweisen von Bedeutung, die verschiedene Formen von NAD+ unterstützen.
Oral verabreichtes NR verfügt derzeit über deutlich mehr direkte klinische Studiendaten am Menschen als direkt oral verabreichtes NAD+. Das Vorhandensein sowohl von NR als auch von NAD+ in derselben Formulierung beweist daher nicht von sich aus einen zusätzlichen klinischen Nutzen über das hinaus, was der besser erforschte Vorläufer bieten kann.
NAD+ und Omega-3: Welchen Zweck hat diese Kombination?
Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, verfügen über eine solide Evidenzbasis, die weitgehend unabhängig von der NAD+-Forschung ist.
EPA, also Eicosapentaensäure, und DHA, also Docosahexaensäure, wurden im Zusammenhang mit der kardiovaskulären Biologie und entzündlichen Prozessen umfassend untersucht.
Mechanistisch interagieren EPA und DHA mit Stoffwechselwegen, die Arachidonsäure und Enzyme wie COX und LOX umfassen, welche an der Produktion von Entzündungssignalen beteiligt sind [5].
Sie können das Profil lipidabstammender Signalwege verändern sowie als Vorläufer spezialisierter pro-resolutorischer Mediatoren dienen, die an der Beendigung von Entzündungen beteiligt sind [5].
Diese Mechanismen unterscheiden sich weitgehend von den NAD+/Sirtuin-Wegen, die in der NAD+-Forschung diskutiert werden.
Aus diesem Grund ist die Begründung für die Kombination von Omega-3-Fettsäuren mit NAD+-Vorläufern im Allgemeinen umfassender als die mechanistischen Argumente, die bei einigen anderen NAD+-Kombinationen verwendet werden.
Kommerzielle Formulierungen können eine solche Kombination im Kontext der zellulären Gesundheit, des Stoffwechsels, des Herz-Kreislauf-Systems oder des gesunden Alterns positionieren.
Dies ist jedoch eine Kombination aus zwei separat untersuchten Supplementkategorien und keine gut etablierte biochemische Synergie zwischen Omega-3-Fettsäuren und NAD+-Vorläufern.
Es wurden keine gezielten klinischen Studien am Menschen identifiziert, die einen NAD+-Vorläufer zusammen mit Omega-3-Fettsäuren als eine einzige Intervention untersuchten.
Die Beweise stammen daher aus separaten Forschungsdatenbanken zu Omega-3-Fettsäuren und NAD+-Vorläufern und nicht aus Studien, die zeigen, dass ihre Kombination größere Effekte erzielt.
Allgemeine Fragen zu NAD+-Stacks
Die in diesem Leitfaden besprochenen Kombinationen unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer biologischen Begründung, und der Begriff „Stack” kann diese Unterschiede manchmal verwischen.
Das Verständnis der Rolle jedes einzelnen Inhaltsstoffs hilft dabei, Verbindungen, die unterschiedliche Wege einbeziehen, von Kombinationen zu unterscheiden, die weitgehend auf denselben Endpunkt einwirken.
NAC und NAD+ sind indirekt über die zelluläre Redoxbiologie miteinander verbunden, während Berberin hauptsächlich über Signalwege wie AMPK wirkt. Omega-3-Fettsäuren haben eigene Mechanismen im Zusammenhang mit Lipidsignalen und Entzündungen.
NR ist anders, da es selbst ein Vorläufer von NAD+ ist. Eine Formulierung, die sowohl NAD+ als auch NR enthält, wirkt daher auf dasselbe grundlegende NAD+-System ein und verbindet nicht zwei deutlich voneinander unabhängige biologische Wege.
Eine weitere wichtige Unterscheidung ist der Unterschied zwischen dem Fehlen einer bekannten Wechselwirkung und dem Nachweis, dass eine bestimmte Verbindung als sicher erwiesen wurde.
Es wurden keine dedizierten Studien am Menschen zur Kombination von NAD+-Vorläufern zusammen mit NAC, Berberin oder Omega-3-Fettsäuren identifiziert.
Das bedeutet nicht, dass diese Kombinationen gefährlich sind. Es bedeutet vielmehr, dass man nicht davon ausgehen kann, dass ihre gemeinsame Sicherheit und Wirksamkeit direkt nachgewiesen wurden, nur weil für die einzelnen Bestandteile separate Studiengeschichten vorliegen.
Sicherheitsprobleme, die für bestimmte Inhaltsstoffe spezifisch sind, bleiben auch dann relevant, wenn die Verbindungen Teil einer Mehrkomponentenformulierung sind.
Berberin kann den Blutzuckerspiegel beeinflussen und möglicherweise mit Diabetesmedikamenten interagieren. NAC hat in bestimmten klinischen Situationen dokumentierte Arzneimittelwechselwirkungen. Hohe Dosen von Omega-3-Fettsäuren können die Blutgerinnung beeinflussen, was bei gleichzeitiger Anwendung von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern von Bedeutung sein kann.
Die Zugabe eines NAD+-Vorläufers beseitigt oder ersetzt nicht diese für jeden Inhaltsstoff spezifischen Sicherheitsaspekte.
Das allgemeine Sicherheitsprofil des Supplement-Stacks kann somit von der gesamten Formulierung, den verwendeten Dosierungen, Begleiterkrankungen und gleichzeitig eingenommenen Medikamenten abhängen und nicht ausschließlich von dem mit NAD+ verbundenen Inhaltsstoff.
Grenzen der aktuellen Beweise
- Es wurden keine gezielten klinischen Studien am Menschen identifiziert, die NAD+-Vorläufer in Kombination mit NAC, Berberin oder Omega-3-Fettsäuren spezifisch untersuchen. Die Begründung für diese Kombinationen stützt sich hauptsächlich auf separate Daten für die einzelnen Inhaltsstoffe.
- Die mechanistische Verknüpfung von NAD+-Vorläufern und NAC über NADPH und die Glutathionregeneration ist indirekt und wurde als kombinierte Intervention nicht direkt untersucht [2].
- Das unterschiedliche Molekulargewicht und die unterschiedlichen chemischen Eigenschaften von NAD+ und Berberin legen nahe, dass beide Verbindungen selbst dann deutlich unterschiedliche Absorptionsprofile aufweisen können, wenn sie sich im selben transdermalen Pflaster befinden, was im Produktmarketing nicht immer angemessen widergespiegelt wird.
- Es wurden keine gezielten Sicherheits- oder Wirksamkeitsstudien zu Produkten identifiziert, die direktes NAD+ mit NR kombinieren, obwohl kein spezifisches Sicherheitsproblem dokumentiert wurde, das sich allein aus der Kombination von direktem NAD+ mit seinem Vorläufer ergibt.
Haftungsausschluss
Der Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung oder Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Kombination von Nahrungsergänzungsmitteln dar.
NAD+, NR, NAC, Berberin und Omega-3-Fettsäuren sollten nicht als von der FDA oder EMA zugelassene Methoden zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten dargestellt werden, es sei denn, es handelt sich um ein konkretes zugelassenes Arzneimittel und eine entsprechende Indikation.
Die besprochenen Inhaltsstoffe stützen sich auf unterschiedliche Evidenzbasen, biologische Mechanismen, potenzielle Wechselwirkungen und Sicherheitsaspekte. Nachweise zu einem einzelnen Inhaltsstoff dürfen nicht als Beweis dafür interpretiert werden, dass eine diesen Inhaltsstoff enthaltende Kombination ebenfalls klinisch untersucht wurde oder eine synergistische Wirkung zeigt. Die im Artikel genannten Produktnamen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Empfehlung noch den Beweis dar, dass eine bestimmte kommerzielle Formulierung unabhängig klinisch validiert wurde.
Referenzen
[1] Sahasrabudhe, S. A., Terluk, M. R., & Kartha, R. V. (2023). N-acetylcysteine pharmacology and applications in rare diseases—Repurposing an old antioxidant. Antioxidantien, 12(7), 1316. https://doi.org/10.3390/antiox12071316
[2] Sies, H., Berndt, C., & Jones, D. P. (2017). Oxidative stress. Annual Review of Biochemistry, 86, 715–748. https://doi.org/10.1146/annurev-biochem-061516-045037
[3] Yoshino, J., Baur, J. A., & Imai, S. (2018). NAD+ intermediates: The biology and therapeutic potential of NMN and NR. Zellstoffwechsel, 27(3), 513–528. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2017.11.002
[4] Trammell, S. A. J., Schmidt, M. S., Weidemann, B. J., Redpath, P., Jaksch, F., Dellinger, R. W., Li, Z., Abel, E. D., Migaud, M. E., & Brenner, C. (2016). Nicotinamide riboside is uniquely and orally bioavailable in mice and humans. Nature Communications, 7, 12948. https://doi.org/10.1038/ncomms12948
[5] Shibabaw, T. (2021). Omega-3-mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Entzündungshemmende und anti-hypertriglyceridämische Mechanismen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Molekulare und zelluläre Biochemie, 476(1), 993–1003. https://doi.org/10.1007/s11010-020-03965-7